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  • Caroline de Jong

Trigger

Trigger

Was es ist und die Vorteile, die wir haben, wenn wir sie kennen


Das Wort „Trigger“ begegnet uns mehr und mehr. Auf Youtube, Amazon und Radiobeiträgen werden Triggerwarnungen ausgesprochen und Menschen sagen gern, dass sie etwas „triggert“. Der selbe Begriffsstamm wird hier in sehr unterschiedlichen Kontexten verwendet. Eine Triggerwarnung deutet daraufhin, dass in dem Film oder Beitrag Themen angesprochen werden wie z.B. Gewalt, Missbrauch oder sexuelle Übergriffe, die Menschen, die selbst Ähnliches erlebt haben, in Kontakt bringen können mit Gefühlen oder Erinnerungen von Ihrem persönlichen schrecklichen Erlebnis.

In der Alltagssprache wird der Begriff fachlich gesehen oftmals falsch verwendet. Hier sagen Menschen oft, dass sie „getriggert“ sind, wenn sie etwas besonders anspricht, etwas positive Gefühle in Ihnen auslöst bzw. sie Resonanz auf etwas haben. Hier in diesem Artikel geht es nun um den Begriff „Trigger“ sowie er in der Psychologie und von Traumafachberatern verwendet wird.

Die Psychologie beschreibt einen Reiz dann als Trigger, wenn er in einer Person traumatisches Material auslöst. Dies kann durch Gerüche, durch Orte, durch Worte, Gesten, Optische Eindrücke und manchmal auch einfach einer Atmosphäre bzw. gewissen Energie geschehen. Dass die Person getriggert ist, merkt sie oftmals vielleicht gar nicht bewusst. Sie fühlt sich vielleicht durch einen Trigger emotional sehr aufgewühlt und kann sich über eine längere Zeit schlecht beruhigen, schläft eventuell sogar schlecht oder dissoziiert- all dies oftmals ohne zu wissen, dass sie getriggert ist. Sofern Traumata nicht angefangen wurde ein Traumata aufzuarbeiten, haben Menschen die Tendenz durch ein Trigger ausgelöste Gefühle ausschließlich dem Trigger zu zuschreiben und verstehen nicht, dass die Gefühle zwar durch den Trigger ausgelöst wurden, aber in Wirklichkeit viel mehr in Zusammenhang stehen mit einem früheren emotional erschütterten Erlebnis. Hier ein Beispiel um dies näher zu verstehen:

Ein Mann hört in den Nachrichten, dass in Deutschland ein Kind tödlich vom Baum erschlagen wurde. Er ist zutiefst betroffen und schockiert. Er kannte das Mädchen zwar nicht, hat auch mit der Familie keinen Kontakt und kennt auch niemanden aus dem Bekanntenkreis dieser betroffenen Familie. Dennoch beschäftigt ihn diese Nachricht noch 3 Tage später. Sobald er dran denkt, ist er den Tränen nah während seine Partnerin und Freunde von dieser Nachricht schon nach wenigen Stunden wieder vergessen haben. Wie kann das nun sein? Was ist der Unterschied zwischen ihm und seiner Partnerin und Freunden? In seiner Kindheit ist plötzlich und unerwartetet seine Mutter verstorben. Ohne dass er es selbst weiß, erinnert ihn diese News unbewusst an das Versterben seiner innig geliebten Mutter, was ihn verständlicherweise zutiefst erschüttert. So wühlt ihn nicht wirklich der Tod des unbekannten Kindes aus, sondern die Erinnerungen an den Tod seiner eigenen Mutter, weshalb ihn das ganze noch 3 Tage später beschäftigte.

Trigger passieren aber nicht nur durch die Medien, sondern auch sehr viel im zwischenmenschlichen Kontakt – besonders in engen Beziehungen wie Partnerschaft oder Eltern-Kind-Beziehungen. So kann es sein, dass eine Mutter, die tief und innig Ihr Kind liebt, von Herzen gern Mutter ist und sich mit viel Fürsorge um ihren Sohn kümmert, in einem Moment, in dem sie von Ihrem 4 Jährigen gerade frustrierten Sohn von ihm getreten wird, eine so tiefe Wut empfindet, dass sie töten könnte ohne dass sie es je tun würde. Vom Kopf her weiß sie ganz genau, dass treten und Schlagen ein adequater Ausdruck von 4 Jährigen ist, aber tief im inneren erinnert sie dieser Tritt ihres Sohnes an eigenen Missbrauchserlebnisse von ihrem Vater, dass in ihr ganz plötzlich eine Wut aufkocht, die töten könnte. Diese Wut wird zwar ausgelöst von ihrem Sohn, hat de facto aber nichts mit ihm zu tun. Es ist die Wut, die sie ihrem Vater gegenüber empfand, der ihr Dinge antat, durch die sie subjektiv zur damaligen Zeit als lebensbedrohlich erlebt hat. Traumatische Erlebnisse gehen immer mit einem subjektiven Gefühl von Lebensbedrohlichkeit, Hilflosigkeit und Ohnmacht einher, weshalb so tiefe, heftige Emotionen ebenfalls bei unverarbeiteten Traumata in einem aufsteigen können.

Natürlich kann es auch sein, dass durch ein Trigger gar keine Emotionen aufsteigen, sondern wir erstarren, uns taub fühlen, leer, abgeschnitten, die Wahrnehmung für den Raum in einem Moment verschwindet oder wir wie neben uns stehen oder gar die Situation, in der wir sind wie aus einer Vogelperspektive von außen sehen. Auch das sind Formen von Dissoziation, in der wir (unbewusst) an traumatische Erlebnisse erinnert werden.

Trigger passieren potentiell ständig. Wir selbst können getriggert werden oder wir sind auf der anderen Seite und bekommen emotionale Ladung anderer getriggerter Personen ab, die nicht wirklich etwas mit uns oder der Situation zu tun hat. Ein übermäßiger Wutausbruch eines cholerischem Chefs ist oft ein klassisches Beispiel wie wir mit Ladungen konfrontiert sein können, die in der Heftigkeit nichts mehr mit der Situation zu tun hat, sondern in der getriggerte Emotionen (sprich alte Emotionen, die mit anderen, früheren Erlebnissen) zu tun haben.

Was ist nun der Vorteil, wenn wir unsere Trigger sowie die Trigger in anderen erkennen können?

1. Wenn wir wissen, was uns triggert, dann können wir uns leichter schützen und Trigger, da wie möglich vermeiden. Die Triggerwarnungen ebenen dafür ja bereits den Weg.

2. Außerdem können wir uns selbst besser verstehen und uns anderen durch Erklärungen verständlicher machen. Wenn wir an das Beispiel mit dem Mann denken, der noch nach 3 Tagen innerlich mit der Nachricht des verstorbenen, unbekannten Mädchens zu tun hat, dann können wir uns vorstellen, dass dieser Mann wenig Verständnis und Empathie entgegengebracht wird für seine heftige Reaktion. Wenn er aber erklären kann, warum es ihn so aufwühlt und was es mit ihm zu tun hat, dann kann sein Umfeld, besonders seine Partnerin, vielleicht viel mehr Verständnis entgegen bringen. So kann Verbindung und Zuwendung entstehen anstatt Unverständnis und dadurch vielleicht unbewusste Abwertung oder Ablehnung.

3. Mit wachsender Bewusstheit und Heilung können wir auch lernen die getriggerten Gefühle nicht nur wild an andere auszuleben und somit Beziehungen schaden, sondern können mit der Zeit lernen Gefühle in uns und für die anderen zu sortieren.

4. Mit noch weiter zunehmender innerer Heilung können wir lernen Ladungen, die nicht zu uns gehören, leichter bei dem anderen zu lassen.

Dies alles sind Vorteile für den eigenen Nutzen. Wenn du mit anderen Menschen arbeitest, dann kann Psychotraumatologiewissen, das hier nun nur angerissen wurde und sehr viel vertiefter beispielsweise in einer Traumafachberater Ausbildung gelernt werden kann, einen natürlich noch umfänglicheren Nutzen haben. Denn indem du lernst Trigger – wie ein Traumafachberater- bei anderen zu identifizieren, kannst du Menschen dabei unterstützen, sich selbst zu verstehen, was Selbstverurteilung mindert. Du kannst ihnen helfen sich zu schützen und ihnen beibringen, wie sie aus einem getriggerten Zustand sich selbst wieder einfangen können. Für die Betroffenen ist eine solche Unterstützung Gold wert. Schließlich hängt ein traumatisches Erlebnis immer auch mit einem subjektiven erleben von Lebensbedrohlichkeit zusammen, so dass die dementsprechende Not, die mit diesem/n Erlebnis/se zusammenhängt, dementsprechend groß ist.


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